Gertrud und Friedrich Horstmann

Lebenslauf Gertrud Horstmann, geb. Stolpe
Kriegserlebnissse Friedrich Horstmann
Lebenslauf Friedrich H W Horstmann 1904-1993

Lebenslauf Gertrud Horstmann, geb. Stolpe

Lebenslauf Gertrud Horstmann geb. Stolpe

28.11.1908 - 13.4.2005

„Wird schon werden“ - Motto ihres Lebens

1. Kindheit
( drei verschiedene ausführlichere Lebensläufe von ihr selbst liegen vor, die mit der Kindheit enden )
Geboren am 28.11.1908 in Neugrund, Kreis Wongrowitz, Provinz Posen als Tochter des Lehrers Willibald Stolpe und seiner Ehefrau Emma, geb. Dräger. Evangelisch. Getauft 26.12. 1908 in Revier Kreis Wongrowitz
Sie hatte eine behütete Kindheit. Sie wohnte im Schulhaus. Sie las gerne und viel. Zog sich dazu in ihr Gartenhäuschen zurück. Ihr Vater Willibald Stolpe war Lehrer später Konrektor in Düsseldorf. Ein musikalischer und geselliger Mensch.
Ihre Mutter Emma Dräger, verwitwete Bartig war eine praktisch denkende, zupackende Frau, die allerdings durch ständige Magenerkrankungen behindert war.
Im Elternhaus in Neugrund lebte auch noch die Großmutter, Amalie Frase eine belesene, bildungsbeflissene, liebe und stille Frau. Emma aber auch Gertrud sollen viel Ähnlichkeit mit ihr gehabt haben. Ihr Großvater war Viehhändler, eher robuster Art.
1914-1917 evangelische Volksschule in Neugrund, danach die Höhere Mädchenschule zu Bromberg. 1920 Option der Eltern für die Umsiedlung nach Deutschland - Folge des 1. Weltkrieges - Polen selbständig
„Zurück in Glück - nach Deutschland zurück, lieber als in Polen am Strick“- so dichtete sie im Pflegeheim ständig. Also ein einschneidendes Kindheitserlebnis.- . Zunächst 1 Jahr Lyzeum in Celle und danach Luisenschule Düsseldorf.
Tod ihrer Schwester Dora ( 1910-1923 ) - Blutvergiftung , Willibald wollte nicht, dass sie ins Krankenhaus geht....
Dieser Tod hat sie sehr mitgenommen. Ihr ständiges Zitat im Pflegeheim : „Sei munter und sei froh, wie der Mops im Paletot“ stammt aus der ersten Seite des Posiealbums von Dora, Weihnachten 1921
In der Schulzeit : Mit Bruder Max gründet sie einen Turnverein. Turnen ist ihre Leidenschaft.
1927 Abitur

2. Studium
1927-1932 Studium in Marburg und Bonn: Philologie ( Englisch,Geschichte und Sport )1931 Studienaufenthalt in England.
1929 Prüfung als Turn-und Sportlehrerin und 1932 1. Staatsprüfung für das Lehramt an h”heren Schulen imn Marburg . Note „gut“

3. Verlobung - inoffiziell
In Marburg WS 1930/31 lernte sie in der Vorlesung von Prof. Dr. Edler von Premerstein - genannt Anton mit der schweren Zunge - einem Althistoriker - Friedrich Horstmann kennen.
Bei den Seminarfesten von Prof. Mommsen - dem Lumpenball in den Hansenhäusern lernte man sich noch näher kennen.
Die Clique traf sich am Kurhaus Ortenberg. Inoffiziell verlobte man sich am 31.1.1932

4. Verlobung -Staatsexamen
Sie zog 1932 von Düsseldorf nach Berlin zu ihrer Mutter. Vater Willibald Stolpe war 1930 gestorben. Emma Stolpe hatte für alle überaschend das Haus in Unterrath mit 1700 qm Garten verkauft, war nach Berlin gezogen und lebte dort mit ihrem Lieblings-Sohn Max. Gertrud folgt ihnen nach Berlin.
Vati meldete sich zum Schuldienst ins Rheinland, da er aus Herne kam.
1933/34 absolvierte er sein Referendariat in Oberhausen-Sterkrade, am Krupp-Oberrealgymnasium in Essen
1934 - Sein 2.Staatsexamen legte er am Steinbart Gymnasium in Duisburg ab - an dem sein Enkel Markus später Abitur machte.
Dann ist er erst mal zwei Monate arbeitslos.10 Wochenstunden sollte er dann am Humboldt G. in Essen arbeiten - aber er wurde dann ans Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Aachen bis zu den großen Ferien 1934 eingesetzt ( 2 Monate dort. )
Im September 1934 wird die Verlobung gefeiert
Für ein halbes Jahr nach Bredeney versetzt. Er erhielt also Kettenverträge - in den Ferien ist er arbeitslos -
In den Ferien war er dann allerdings bei seiner Verlobten in Berlin.
An eine eigene berufliche Ausbildung im Referendariat war nicht zu denken: Frauen hatten bei hoher Arbeitslosigkeit von Lehrern kein Recht auf Ausbildung oder gar Einstellung. Und - Gertrud hat es wohl als selbstverständlich akzeptiert.

Ab hier gemeinsame Geschichte mit Friedrich Horstmann

5. Die erste Anstellungstellung und Heirat 1935 (31 Jahre alt )
1935 Stelle in Velbert angeboten. er fährt von Herne mit dem Rad nach Velbert !Er kommt nicht begeistert angeradelt. Aber als sie in die Nähe des Gymnasiums kommen, sagt Gertrud : „In dieser Gegend möchte ich wohnen“ - Man muß wissen, dass um die Schule herum damals kaum Häuser standen, Wiesen, Felder und Wald.
Die Kinder in Bredeney fand er lebendiger, die Velberter waren sturer - fand er . Er liebte seine erste Sexta ( M.Tiggemann, Erley ... - und die ihn!)
Am 12.6.1935 wird standesamtlich geheiratet (fast 58 Jahre hat dieEhe gehalten ) Kirchliche Trauung im August 1935 in Berlin-Friedenau.
In den Häusern des Spar- und Bauvereins, dem er seitdem angeh”rte, findet sich die erste Wohnung in Velbert: Hindenburgstr.3 jetzt Friedrich Ebert Str.

6. Kommentar
Was so relativ geradlinig und friedlich aussieht, geschieht in einer Zeit gezielten Marsches der Nazis zur Diktatur:
Arbeitslosigkeit im Nacken - das Beamtentum wird immer mehr „gleichgeschaltet“. Auch Vati muss sich bekennen: Als er in den Stahlhelm eintreten will, wird er gedrängt in die SA ( Sturmabteilung ) einzutreten. Voraussetzung für die Studienassessorstelle in Velbert.
Der rauhbeinigen, brutalen Schlägertruppe nach der Art der Skins oder NPD kann er sich nur mit starker Hilfe durch seinen Kollegen Hahnefeld - Ortsgruppenleiter - wieder entziehen: Er erhält den ehrenvollen Austritt, darf dafür in der NSV - der NS-Arbeiterwohlfahrt - soziale Dienste tun: Essens- und Kleiderausgabe an Bedürftige, darunter auch Kommunisten, die ihm später anbieten, bei der Entnazifizierung zu helfen. Aber er braucht dies nicht.
Neben der Pflicht hält er an seiner Neigung fest: Religionsunterricht zu geben und Schulandachten zu halten.
Auch gegen die Kritik der Nazis an der Schule. Freiwillig - vor Schulbeginn abgehalten - ist die Aula immer voll besetzt.
Eine Schülerin Frau Dr. Vinnemeyer sagt von ihm später : „Er war unter all den Nazilehrern der einzige der menschlich war“.
Eines Tages tritt man von der Geheimen Staatspolizei an ihn heran, er möge die Pfarrer im Gottesdienst ausspionieren. Er lehnt das ab und offenbart sich Pfarrer Herzog. Der ist ihm dankbar für die Mitteilung. Auch dieser erinnert sich später daran und bietet Entnatzifizierungshilfe an.
Warum ich das schreibe? Es ist immer noch Tabu, darüber zu schreiben. Ich meine, dass wir Nachfahren daraus lernen können: Er war kein Held, aber auch kein 150%-iger Nazi. Er war „deutsch-national bis auf die Knochen“, teilte die damaligen Feindbilder. An antisemitischen Ausschreitungen oder anderen Gewalttaten hat er sich nie beteiligt. Das passte nicht zu ihm. Sein Austritt aus der SA zeigt dies.
Nur wenige sind zum radikalen Widerstand und zum Opfern ihrer Karriere, dem Verzicht auf Familie und Kinder bereit, aber den Spielraum des Widerstehens auszunutzen und das Mögliche tun - das gilt auch heute angesichts der weltweiten Krisen von Umweltzerstörung und Verhungern lassen von Millionen Menschen durch die Weltherrschaftgelüste unserer Wirtschaft- von der wir so gut leben können . Von den Eroberungskriegen ganz zu schweigen.
Einen kleinen Beitrag, es anders zu machen, nicht zu resignieren und nicht einfach mitzulaufen und blind in die Katastrophe zu laufen, den kann jeder leisten.
Jede Generation wird sich der nachfolgenden gegenüber verantworten müssen - und ob wir - die mittlere Generation dabei so gut wegkommen - wird sich zeigen. Es besteht also kein Anlass sich zu erheben, aber auch kein Anlaß einfach darüber hinwegzugehen - wie es so oft geschieht.

7. Die ersten beiden Kinder und der Krieg
1937 wird Gerd geboren 19.2. 19.20 Uhr - Gerhard Ullrich
Als Dieter unterwegs war (und wegen der Familie Klug, unangenehme Nazis, die immer mit Heil Hitler grüßten und wegen des fehlenden Gegengrußes Anzeige erstatten wollten ), muss eine größere Wohnung her :
1938 also Einzug in der Sontumerstr. 77 Wohnung bis 1956
1939 werde ich/Dieter geboren. Sollte Doris sein...26.4. 1939 - Dietrich Reiner
Durch eine Bruchoperation wird seine Einberufung in den Krieg im September 1939 hinausgeschoben.
Am 30. 8. 1940 erhält er abends den Befehl sich am nächsten Morgen in Dortmund dem Wehrdienst zu stellen. Ohne Vorbereitung - mit einem Persilkarton verläßt er Gerd und Mutti - Dieter ist mit Hanni in Berlin bei der geliebten Oma.
Er ist für ein Transportbataillon - nicht für die kämpfende Truppe vorgesehen - so braucht er nicht zu schießen und ist froh keinen Menschen töten zu müssen.
1. Einsatz 1940: Litzmannstadt (Lodz) Fahrschule - Gammeldienst
2. Einsatz 1940: Berlin in der Wallschule gegammelt durch Berlin gefahren
3. Einsatz März 1941: Ostpreußen . Kriegsmaterial an die Grenze fahren - Bombenangriffe auf die Transporte - viel Angst
( Sommer 1941 Lauenburg Pommern Wohnung gemietet - immer zurück nach Berlin )
Herbst 1942 erster Urlaub für Offizierslehrgang bei Warschau, d.h. 1 1/2 Jahre nur Briefe geschrieben Dieter ist 2,5 Jahre alt Gerd 4,5 Jahre alt
März 1943 14 Tage ( zweiter ) Urlaub im Forsthaus Lauenburg - Verwandtenbesuch Wiesner
Von dort aus betreibt Mutti ihre Anstellung als Lehrerin in Körbitz bei Jüterbog- wo wir bis 1945 bleiben.
Jan/Febr. 1944 dritter und letzter Urlaub, von Vati, da Gerd krank ist 14 Tage.
Von dort noch Besuch in Velbert - es war gerade die Edertalsperre bombardiert worden , es gab kein Wasser - es wurde sich mit Wein rasiert.
1944 wird Vati Adjudant des Majors und bleibt 1 Jahr beim Stab.
10. Mai 1945 Gefangenschaft in Weißrußland
Januar 1946 Erste Karte aus Gefangenschaft nach Hedem bei Lübbecke Westfalen geschrieben ; denn es war verabredet, Hedem soll Treffpunkt sein

Körbitz Unterricht - Flucht
Mutti unterrichtete von 1.8. 1943 bis Mai 1945 in Körbitz ( 218 RM ) , die Großmutter Emma Stolpe ist bei uns, Einmarsch der Russen, Verstecken in Scheune aus Angst vor Vergewaltigung durch die gefürchteten Russen. Da Mutti sich gegenüber den „Fremdarbeitern“ immer sehr gut benommen hatte - Polen wie Franzosen, mit denen sie Französisch sprach - schützten diese sie nach dem Krieg vor Plünderungen.
Flucht : Ende Mai 1945 bis 20.10.1945:
Von Körbitz Kreis Jüterbog/ Luckenwalde, Kirchengemeinde Langenlipsdorf ( zwischen Welsickendorf und Zellendorf ) Mit einem Karren mit Bettzeug und weiteren Sachen. Dieter wollte immer wieder auf den Wagen und gefahren werden. Gerd sehr tapfer. Oma war krank ( Brustkrebs ) über Welschendorf - vor Torgau im Kindergarten übernachtet. Sie wird als russisch- kommunistisches „Flintenweib“ beschimpft und nicht mehr dort gelassen. Dann 2 Tage in Zinna von dort nach Bad Düben. Bad Düben von Flüchtlingen überfüllt: übernachten in Scheune in Laußig südlich von Mörtitz vor Eilenburg / Mulde.
Lassen Oma Emma Dräger im Krankenaus Bad Düben: Brustkrebs: Sie will, dass die drei, Mutti, Gerd und Dieter weiterziehen...
Die Russen rückten vor bis zur Mulde. Deshalb Stop der Reise : Unterkunft in Wochenendhaus von Leipziger Familie bis Winter 1945 in der Nähe von Mörtitz / „Waldwinkel“- Nachbarin Rosa Heil, die die Oma später rührend betreute.
2 Soldaten zogen Karren von Mörtitz zum Bahnhof. In Halle in den Zug nach Magdeburg. Dort einen Tag im Bahnhof auf Boden übernachtet. Weiter mit der Bahn bis Eilsleben. Dort Ende der Zugfahrt.
Bei Offleben eine große Wiese - abschüssig - rüber über einen Bach über die nicht markierte Grenze mit der Karre. Auf der anderen Seite erwarten uns schon Leute. Übernachten auf einem Speicher. Deutsche beklauen uns dort noch. Bahn nach Hannover - in Herford nachts raus. Von Blasheim zu Fuß nach Hedem 43, bei Onkel Karl Schmidt, Bruder von Oma Horstmann, geb. Schmidt. Hat Bäckerei, Landwirtschaft und Kolonialwaren. Mutti bezahlt 100 RM pro Monat von ihrem Ersparten. Geldmangel - Konten in Körbitz sind gesperrt - führt zum Entschluss , ins Referendariat - 1.10.1946 in Wuppertal , Ausbildungsschule Vohwinkel einzusteigen- neben einigen Stunden Unterricht am Gymnasium: Entlassen aus Vorbereitungsdienst auf eigenen Wunsch 15.9.1948.
Hungern mussten wir in Hedem nicht, wie so viele damals. Auch nach Velbert schickte Großonkel Karl Schmidt aus seinem Kolonialwarenladen Essensmarken für uns.( Jeder erhielt damals pro Kopf Essenmarken zum Einkaufen )

8. Tod der Mutter Emma Dräger in Bad Düben
26.1.1946 stirbt ihre Mutter an Entkräftung infolge ihres Brustkrebses. Emma realisiert es nicht voll, dass sie Brustkrebs hat. Wie später ihre Tochter Gertrud bei sich selbst. Sie überlässt einer Bettnachbarin , die angesichts des harten Winters friert, ihre schwere Steppdecke, weil sie - angeblich - das Gewicht der Decke nicht ertragen kann. Die Frau will uns nachher Leihgebühren dafür zahlen. Mutti kann sie nicht besuchen, weil es keine Einreise gibt. Päckchen werden mit Nahrungsmitteln geschickt. Emma wollte, dass wir uns in Sicherheit bringen. Emma ist auf dem Waldfriedhof in Bad Düben beerdigt. Bild mit schlichtem Holzkreuz liegt vor.

9. Rückkehr von Vati : Pfingsten/ 15. Mai 1948
Muti war in Marburg bei Tante Martha ( Schwester ihrer Mutter ) . Telegramm von Podzwina Hausbesitzer in Velbert : Soeben trifft folgendes Telegramm ein: „Eintreffe F/O 15.5.48 Samstag Frühester Zug Gladenbach - Herborn überfüllt Sonntag Rückkehr Pfingsten“.Dieter sagt als er ihn sieht : „Was will denn dieser fremde Mann hier ?“ Es ging vielen so...

Fazit
2-3 Jahr schön vor Krieg - keine materielle Not
dann viel Trennung - viel Angst - bis hin zu dem Gedanken er wird nicht mehr zurückkommen .Doch das Glück ist mit uns . Die Familie findet wieder zusammen in Velbert Sontumerstr. 77 - Wohnung ist zwar besetzt, teilen sie mit anderer Familie aber wir sind zusammen.

10. Die „zweite Ehe“ und beruflicher Aufstieg
1. März 1949 Geburt Wolfgang Karl Otto 23. 55 Uhr
Vati wird voll angestellt wieder - 45 Jahre alt! – tritt in die Stelle von Gertrud ein ! Mutti gibt ihm selbstverständlich den Vortritt und verzichtet auf eigene Berufstätigkeit
Erziehung: Mutti liberaler- Vati strenger
1955/56 Hausbau - Entschluß schwierig - mutig bei niedrigem Gehalt - Mutti ist entschlossener, risikofreudiger als Vati
Der Aufschwung - das „Wirtschaftswunder“- und die Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst, die die Gewerkschaft ÖTV erstreikt, lässt die Probleme schnell vergessen.

Vati als Lehrer
Wir haben ihn als gewissenhaften Lehrer in Erinnerung
Dozent : mit 45 Jahren Anschluss finden - kaum Bücher Lehrbücher
viel Eigenlektüre - Manuskripte für Vortrag / keine Arbeitsblätteroder Medien wie heute
1959 Oberstudienrat-
er war stolz darauf, es ohne Beziehungen geschafft zu haben
1969 Pension aber wegen Lehrermangel noch einige Stunden ( erst 12 dann 6 Stunden ) bis 1974 gegeben
Langsamer Übergang tat ihm gut
In der Mittelstufe sehr glücklich gewesen - ohne Druck - vorher nur Oberstufe- viel Vorbereitung
Mutti als Lehrerin
Sehr beliebt, die geborene Pädagogin. Sie lässt aber ihrem Mann den Vortritt - die Rollen waren eben in dieser Zeit so verteilt und der angeschlagene Mann brauchte Selbstbestätigung.
Mutti vertritt noch einmal in der Volksschule in der 3. Klasse. Auch hier wird sie sehr geschätzt. Noch in ihren späten Jahren wird sie auf der Straße von ehemaligen Schülern angesprochen...

11. Die 9 Enkelkinder und die 7 Urenkel:
Enkel/-innen Annette und Ulrike 1963 Rüdiger 1966
Markus 1966 Peter 1969 Mattias 1972
Uwe 1986 Gisela 1988 Frieder 1997
Urenkel/-innen Drillinge Jan Daniel, Mark Alexandre, Anna Lilia 1993 Sebastian 2002
David 1998. Leon 1999, Wiebke 2004
Die Fürsorge für die Enkel war groß. Mutti spielte gerne und diskutierte mit ihnen. Beide waren großzügig mit Geldzuwendungen. Geburtstagsfeiern waren wichtig. Sie mischten sich nicht in die Erziehung ein, blieben liberal und tolerant.
12. Das Alter
Freundeskreis = Langensiepen, Tonscheidt - Freundeskreis - überraschende Wende: Gesellige Seite gegenüber der Zurückgezogenheit vorher eine Überraschung
Aktiver Ruhestand:Veröffentlichungen: Chronik der Schule in Richrath herausgegeben- Vorträge u.a. über die Hanse und die Geologie Velberts im Geschichtsverein - Forschungen Die Frau im Mittelalter- in der Fernleihe ist er bekannt Ahnenforschung zusammen mit Mutti mit Reisen in Archive - Studium von Kirchenbüchern - Plan Salt Lake City ( Mormonen )

Goldhochzeit 1985 in Tittmarinhausen
Alle Verwandten sind da, auch Markus aus Amerika mit seiner Familie
Weitere Feiern:
1991- 85. . Geburtstag von Vati
1994 - 90. Geburtstag von Mutti

Reisen
Pfingsten mit Wolfgang: Irland, Kreta...
Mit Mutti Kuren und Reisen Ostsee/ Norwegen, Estland bis Bad Driburg im letzten Sommer 1992 vor Vatis Tod noch - trotz großer Hitze Busreise - Besuch von Dieter und Inge.
1991 Reise mit Dieter und Inge nach Polen auf Willibald Stolpes Spuren, Neugrund, Bromberg, Nakel ( Drägers )
Sehr viel erhalten !Auch Vati findet den Hof seines Onkels in Owieschön, wo er oft als Kind war - wenige Kilometer von Neugrund entfernt. Aber kennengelernt haben sie sich erst in Marburg.
Reisen mit Geschichtsverein - Vati hält Einführungen
Mutti liest viel.

13. Das Ende von Vati und Mutti
Vati
Er pflanzt am 26. März 1993 in Hochdorf eine Rose !
Prostatakrebs 1990 - Operation in Düsseldorf Golzheim Erneuter Schub im März 1993
Krankenhaus Klinikum Niederberg von Ostern bis zum 2. Juni 1993
Operation nur noch künstlicher Darm und Katheder für Blase - keine Heilungsaussichten
Dr. Drüner riskiert zum ersten mal eine Endoskopieoperation am Darm - mit Erfolg.
Große Entlastung ermöglicht eineinhalb Monate relativ beschwerdefreies Leben.
Dann Endstadium. Große Hilfe durch Schmerzstillung Dr. zur Nieden und Dr. Langenberg
Ambivalent: Ahnte - wollte uns/sich schonen - wollte selbst nicht einwilligen
So haben wir schrittweise - oft indirekt Abschied genommen - was oft sehr anstrengend war.
Seine letzten Wochen konnte er im Kreise der Familie verbringen
Pflege durch die Söhne und vor allem die drei Schwiegertöchter Inge , Gudrun und Brigitte Horstmann. Er stirbt am 18. Juli 1993 um 0.50 indem er langsam zu atmen aufhört - friedlich einschlafend

Mutti „Grüß alle sch”n von mir“ä
Sie lebt nun fast 12 Jahre alleine -sie liest viel, freut sich über Besuch. Ihre Kräfte lassen nach: Zuerst das Hören, dann auch das Sehen.
Im März 2001 erkrankt sie an Brustkrebs. Sie wird erfolgreich operiert in Velberter Krankenhaus. Sie geht zur REHA nach Wuppertal. Ab dann wird sie zu Hause vom ambulanten Pflegedienst des DRK versorgt. Allerdings beginnt nun auch die Zeit der zunehmenden Verwirrung. Sie hat Verfolgungsängste und das Kurzzeitgedächtnis fällt immer mehr aus. Infektionen am Bein führen sie im November 2003 erneut ins Krankenhaus. Sie wird in die Geriatrie nach Neviges verlegt, weil sie im Krankenhaus für sie nichts mehr tun k”nnen. Auf Anraten der Ärzte in der Geriatrie Neviges ( kath. ! ) wird mit künstlicher Ernährung und Blasenkatheder ihr Leben mit Zustimmung der Söhne noch einmal verlängert.
Sie kommt sofort anschließend im Dezember 2003 ins DRK-Seniorenheim in Velbert, Wordenbecker Weg 51 .Dort ausgezeichnete Pflege.
Ihre Verwirrung ist oft stark, aber sie fühlt sich doch insgesamt wohl. Mir geht es gut, betont sie immer wieder. Sie betet allerdings : „ Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel kommen kann !“ Die Ambivalenz ist klar: Einerseits will sie leben, andererseits sieht sie ihre Isolierung. Sie selbst sagte immer wieder : „Mir geht es gut. Ich leide nicht“ .Sie reimt auf „zurück“ 1920 aus Polen ist gemeint. Das hat sie sehr beschäftigt.
„Zurück ins Glück nach Deutschland zurück - besser als in Polen am Strick“ - Den Nachsatz lässt sie meistens aus. Auch den Spruch aus dem Poesiealbum ihrer früh verstorbenen Schwester Dora zitiert sie öfter: „Sei munter und sei froh, wie der Mops im Paletot“ .
Oft durften wir nur kurz bleiben: „Guten abend , gute Nacht“- hieß: nun geht endlich. Sie wollte ihre Ruhe. Sie schläft viel. Verfolgungsängste werden seltener. Infektionen der Bronchien machen ihr zu schaffen. Mit Antibiotica wird sie immer wieder gesund.
Ihr Ende: Nach einigen solcher Infektionen und zunehmendem Lungenemphysem erlischt ihr Leben am 13.4. 2005 um 10.45. In der Nacht war sie nach Aussagen der Schwester noch sehr unruhig. Wurde öfter hochgesetzt. Gudrun war kurz vorher noch bei ihr. Sie reagierte aber schon nicht mehr auf Bewegungen vor ihren Augen. Wie eine Kerze erlosch ihr Leben langsam, ohne Schmerzen und Angst, weil alle Organe ihren Dienst langsam einstellten.
Ihre letzten Worte an mich, Dieter- einen Tag vor ihren Tode - kaum zu verstehen , da ihr das Atmen schwerfiel- also ins Ohr geflüstert: „Grüß alle schön von mir“.

Fazit :
Eine erste Phase:Behütete Kindheit aber bedroht in Polen- Aussiedlung nach Düsseldorf - Studium mit viel Elan
Kurze erste Ehephase: Genießen der Kinder vor dem Kriege
Krieg für Mutti Zeit der eigenen Stärke in Schule und Meisterung der Flucht - gleichzeitig Angst um Mann in Krieg und Gefangenschaft: Angst, Hunger, Verzweiflung
2. Ehephase und Beruf: Freude an Wolfgang - Hausbau Nottekothen als Heimat - Beruf : nur kurze
Altersphase: Aufblühen- Kontaktfreude, Forschen, Freude an den Enkeln
Das Ende : Ein stiller Kampf gegen das Sterben - ohne explizites Einwilligen, aber doch mit der Sehnsucht nach Erl”sung.
Schluß:
Wie in jedem Leben : Gemischt Gutes und Schreckliches, ja Böses - durch andere, durch uns selbst
Psalmwort: Haben wir Gutes empfangen - sollten wir das Böse nicht auch annehmen
Das steht uns bevor: uns mit allem auszusöhnen, was vielleicht nicht so gut war, uns in der Trauer gegenseitig und uns selbst zu trösten mit dem vielen Guten, das wir mit ihnen und durch sie erleben durften.
Und wenn man das Glück hat dazu noch 89 bzw. 96 Jahre alt zu werden - wie sollten wir nicht dankbar sein - bei aller Trauer ?

Lebenslauf Friedrich H W Horstmann 1904-1993

Ansprache im Familienkreise mit Lebenslauf zur Beerdigung von Dietrich Horstmann 22. Juli 1993

Lebenslauf Friedrich Heinrich Horstmann
Rufname Friedrich - Fritz von seiner Ehefrau Gertrud gerufen

14.Juli 1904 – 18. Juli 1993Kindheit Geboren 14. Juli 1904 als erstes Kind von Heinrich H. und Wilhelmine H. geb. Schmidt sein Bruder Willi - verstorben 1992 - wurde 1906 geboren seine Schwester Änne 1909 . Über seine Kindheit hat er wenig erzählt. Kaisers Geburtstag - Sedansfest . Die Ferien verbrachte er in Hedem bei seinem Onkel Karl, der eine Gastwirtschaft, Bäckerei, "Kolonilawarengeschäft" und Landwirtschaft hatte. Sein Vater war bei der Reichsbahn - bei seiner Geburt Hilfsstreckenläufer - zuletzt Stellwerksmeister - er starb 1922 - mit 44 Jahren an einer Leberinfektion - Vati war 18 Jahre alt. Vati hat seinen Vater also um das Doppelte überlebt. Dadurch mit 18 Jahren Verantwortung für seine Geschwister - was diesen nicht immer angenehm war - Der große Bruder ambivalent bewundert und beneidet. Da sein Vater kaum Dienstjahre hatte, war die Pension der Mutter sehr niedrig. Das -wie damals auch seine Herkunft - setzten seinem schulischen Weiterkommen zunächst eine Grenze. Schule und Ausbildung Da er ein guter Schüler war, schlug ihn sein Lehrer für die Volksschullehrerausbildung über die Präparandenanstalt vor : Der zweite Bildungsweg wurde beschritten. Gewissenhaft und zielstrebig. Abschluss :19 Da in den zwanziger Jahren die Arbeitslosigkeit bei Volksschullehrern zunahm entschloss er sich - mit seinem Lehrerdiplom über den zweiten Bildungsweg zugelassen - zum Studium Studium Zum Studium der Theologie ! . Er lernte Latein, Hebräisch und Griechisch in Bethel nach und studierte dann in Münster und Königsberg. Dort wechselte er auf das Lehramt über: Religion, Geschichte, Geographie.

( Drei Fächer waren nicht unüblich, aber auch zur Sicherheit notwendig.) Die Fächer kommen bei den Söhnen wieder vor : Dieter Theologie, Gerd Geschichte und Wolfgang Geographie - Wolfgang hat Miuttis Fach Englisch dazu ) Das Studium musste er sich nahezu vollständig selbst verdienen: Bei Velhagen und Klasing- wo seine Cousine Alwine (?) beschäftigt war. Eine der 6 Tanten in Bielefeld von denen Berta Wolfgangs Patentante war – als Packer von Bücherkisten und Bücherversand. Das sichere Verschnüren von Paketen wurde von da an in der ganzen Familie bewundert. Beim Schwellenbau bei der Reichsbahn in Herne schwere körperliche Arbeit.Verlobung - inoffiziell In Marburg WS 1930/31 lernte er in der Vorlesung von Prof. Dr. Edler von Premerstein - genannt Antonit der schweren Zunge - einem Althistoriker - Gertrud Stolpe kennen. Bei den Seminarfesten von Prof. Mommsen - dem Lumpenball in den Hansenhäusern lernte man sich noch näher kennen. Die Clique traf sich am Kurhaus Ortenberg. Anfang 1932 machte er sein erstes Staatsexamen – Mutti Ende 1932. Inoffiziell verlobte man sich am 31.1.1932.

Berufseinmündung - Referendariat – Mutti zog 1932 von Düsseldorf nach Berlin zu ihrer Mutter. Vater Willibald Stolpe war 1930 an Leberentzündung( Alkohol ) gestorben. Emma Stolpe hatte für alle überraschend das Haus in Unterrath mit 1700 qm Garten verkauft, war nach Berlin gezogen und lebte dort mit ihrem Sohn Max. Vati meldete sich zum Schuldienst in Düsseldorf – also ins Rheinland ,da er aus Herne kam. 19334/34 absolvierte er sein Referendariat in Oberhausen-Sterkrade, am Krupp-Oberrealgymnasium in Essen 1934 - Sein 2.Staatsexamen legte er am Steinbart Gymnasium in Duisburg ab - an dem sein Enkel Markus später Abitur machte. Dann ist er erst mal zwei Monate arbeitslos.10 Wochenstunden sollte er dann am Humboldt Gymnasium in Essen arbeiten - aber er wurde dann ans Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Aachen bis zu den großen Ferien 1934 eingesetzt. Er war 2 Monate dort. Im September 1934 wird die Verlobung gefeiert. Für ein halbes Jahr nach Essen-Bredeney versetzt. Er erhielt also Kettenverträge - in den Ferien ist er arbeitslos - In den Schulferien war er dann allerdings bei seiner Verlobten in Berlin. Die erste Anstellungstellung und Heirat 1935 (31 Jahre alt ) 1935 Stelle in Velbert angeboten. Er fährt von Herne mit dem Rad nach Velbert ! Er kommt nicht begeistert angeradelt. Aber als sie in die Nähe des Gymnasiums kommen , sagt Mutti :“In dieser Gegend möchte ich wohnen“ - Man muss wissen, dass um die Schule herum damals kaum Häuser standen, Wiesen, Felder und Wald. Die Kinder in Bredeney fand er lebendiger, die Velberter waren sturer- empfand er. Er liebte seine erste Sexta mit Marlies Tiggemann, Erley ... - und die ihn!(Noch bei seiner Beerdigung waren sie da uns schwärmten ) Am 12.6.1935 wird standesamtlich geheiratet (fast 58 Jahre hat sie gehalten ! ) Kirchliche Trauung im August 1935 in Berlin-Friedenau. In den Häusern des Spar- und Bauvereins, dem er seitdem angehörte, findet sich di erste Wohnung in Velbert: Hindenburgstr.3 - jetzt Friedrich Ebertstr. Kommentar von Dieter Was so relativ geradlinig und friedlich aussieht geschieht in einer Zeit gezielten Marsches der Nazis zur Diktatur: Arbeitslosigkeit im Nacken - das Beamtentum wird gleichgeschaltet. Auc h Vati muss sich bekennen: Als er in den Stahlhelm eintreten will, wird er gedrängt in die SA (Sturmabteliung ) einzutreten. Voraussetzung für das Referendariat in Velbert. Der rauhbeinigen, brutalen Schlägertruppe nach der Art der Skins oder FAP kann er sich nur mit starker Hilfe durch seinen Kollegen Hahnefeld - Ortsgruppenleiter - wieder entziehen: Er erhält den ehrenvollen Austritt, darf dafür in der NSV - der NS-Arbeiterwohlfahrt - soziale Dienste tun: Essens- und Kleiderausgabe an Bedürftige, darunter auch Kommunisten, die ihm später anbieten, bei der Entnazifizierung zu helfen. Aber erbraucht dies nicht. . Neben der Pflicht hält er an seiner Neigung fest: Religionsunterricht zu geben und Schulandachten zu halten. Auch gegen die Kritik der Nazis an der Schule. Freiwillig - vor Schulbeginn abgehalten - ist die Aula immer voll besetzt. Eine Schülerin Frau Dr. Vinnemeyer sagt von ihm später : "Er war unter all den Nazilehrern der einzige der menschlich war." Eines Tages tritt man von der Geheimen Staatspolizei an ihn heran, er möge die Pfarrer im Gottesdienst ausspionieren. Er lehnt das ab und offenbart sich Pfarrer Herzog. Der ist ihm dankbar für die Mitteilung. Auch dieser erinnert sich später daran und bietet Entnatzifizierungshilfe an. Warum ich das schreibe? Es ist immer noch Tabu, darüber zu schreiben. Ich meine, dass wir Nachfahren daraus lernen können: Er war kein Held, aber auch kein 150%- iger Nazi. Er war "deutsch-national bis auf die Knochen", teilte die damaligen Feindbilder. An antisemitsichen Ausschreitungen oder anderen Gewalttaten hat er sich nie beteiligt. Das passte nicht zu ihm. Sein Austritt aus der SA zeigt dies. Nur wenige sind zum radikalen Widerstand und zum Opfern ihrer Karriere, dem Verzicht auf Familie und Kinder bereit, aber den Spielraum des Widerstehens auszunutzen und das Mögliche tun - das gilt auch heute angesichts der weltweiten Krisen von Umweltzerstörung und Verhungernlassen von Millionen Menschen durch die Weltherrschaftgelüste unserer Wirtschaft- von der wir so gut leben können : Einen kleinen Beitrag, es anders zu machen, nicht zu resignieren und nicht einfach mitzulaufen und blind in die Katastrophe zu laufen, den kann jeder leisten. Jede Generation wird sich der nachfolgenden gegenüber verantworten müssen - und ob wir - die mittlere Generation dabei so gut wegkommen – wird sich zeigen. Es besteht also kein Anlass sich zu erheben, aber auch kein Anlass einfach darüber hinwegzugehen - wie es so oft geschieht. Die ersten beiden Kinder und der 2. Weltkrieg (1939 -1945 )

Am 19.2.1937 wird Gerd geboren 19.20 Uhr. Als ich unterwegs bin (und wegen der Familie Klug, unangenehme Nazis, die immer mit Heil Hitler grüßten und wegen des fehlenden Gegengrußes Anzeige erstatten wollten,) muss eine größere Wohnung her : 1938 also Einzug in der Sontumerstr. 77 - Wohnung bis 1956 – Am 26.4. 1939 werde ich/Dieter geboren. Sollte Doris sein... Durch eine Bruchoperation wird Vatis eine Einberufung in den Krieg im September 1939 hinausgeschoben. Am 30. 8. 1940 erhält er abends den Befehl sich am nächsten Morgen in Dortmund dem Wehrdienst zu stellen. Ohne Vorbereitung - mit einem Persilkarton verläßt er Gerd und Mutti - Dieter ist mit Hanni , dem Dienstmädchen in Berlin. Er ist für ein Transportbataillon - nicht für die kämpfende Truppe vorgesehen - so braucht er nicht zu schießen und ist froh keinen Menschen töten zu müssen.

1. Einsatz 1940: Litzmannstadt (Lodz) Fahrschule – Gammeldienst

2 Einsatz 1940: Berlin in der Wallschule gegammelt durch Berlin gefahren

3. Einsatz März 1941:Ostpreußen . Kreigsmaterilal an die Grenze fahren - Bombenangriffe auf die Transporte - viel Angst ( Sommer 1941 Lauenburg Pommern Wohnung gemietet - immer zurück nach Berlin ) Bombenangriffe

Herbst 1942 erster Urlaub für Offizierslehrgang bei Warschau d.h. 1 1/2 Jahre nur Briefe geschrieben Dieter ist 2,5 Jahre alt Gerd 4,5 Jahre alt

März 1943 14 Tage ( zweiter ) Urlaub im Forsthaus Lauenburg – Verwandte. Von dort aus betreibt Mutti ihre Anstellung als Lehrerin in Körbitz bei Jüterbog- wo wir bis 1945 bleiben. Jan/Febr. 1944 dritter Urlaub, da Gerd krank ist 14 Tage. Von dort noch Besuch in Velbert - es war gerade die Edertalsperre bombardiert worden , es gab kein Wasser - es wurde sich mit Wein rasiert. 1944 wird Vati Adjudant des Majors und bleibt 1 Jahr beim Stab. 10. Mai 1945 Gefangenschaft in Weißrußland. Januar 1946 Erste Karte aus Gefangenschaft nach Hedem geschrieben; denn es war verabredet Hedem soll Treffpunkt sein!





Flucht

Mutti unterrichtete von 1943 bis 1945 in Körbitz bei Jüterbog , die Großmutter Emma Stolpe ist bei uns, Einmarsch der Russen, Verstecken in Scheune aus Angst vor Vergewaltigung Marsch mit Karren zur Grenze - Russen wollen uns nicht durchlassen - Elbbrücke gesperrt bei Bad Düben in Wochenendhaus von Leipziger Familie bis zum Winter 1945. Von dort kehrt Mutti einige Male noch nach Körbitz zurück. Man will sie überreden zurückzukommen als Lehrerin. Mutti aber hält sich an die Abmachung . Treffen in Hedem. Müssen Oma Emma Stolpe zurücklassen in Bad Düben. Sie stirbt im Januar 1946 an Entkräftung wegen Nahrungsmangel nach ihrer Brustkrebsoperation, die sie überstanden hatte.



Hedem

Mutti versucht von Hedem aus ihr Referendariat zu beenden - unterrichtet in Velbert - denn ob Vati nochmal wiederkommt ist fraglich. Direktor Meißner – ein Antifachist, der dann von den Velbertern weggemobbt wurde, weil er beim Totengedenktag vom „Tod auf dem Feld der

Unehre“ gesprochen hatte. Er stellt sie mit 25 Stunden an bis September 1948.

Pfingsten/ Mai 1948 Muti war in Marburg bei Tante Martha Jost – Schwester ihrer Mutter Emma ) . Telegramm von Podzwina Hausbesitzer in der Sontumer str. : Soeben trifft folgendes Telegramm ein: _Eintreffe F/O 15.5.48 Samstag Frühester Zug Gladenbach - Herborn überfüllt Sonntag Rückkehr Pfingsten.

Dieter sagt : "Was will denn dieser fremde Mann hier ?"





Fazit 2-3 Jahre schön vor dem Krieg – keine materielle Not, dann viel Trennung - viel Angst - bis hin zu dem Gedanken: Er wird nicht mehr zurückkommen. Doch das Glück ist mit uns. Die Familie findet wieder zusammen in Velbert Sontumer Str. 77 - Wohnung ist besetzt, teilen sie mit anderer Familie- Konflikte ... Die "zweite Ehe" und beruflicher Aufstieg März 1949 Geburt Wolfgang Karl Otto 23. 55 Uhr . Vati wird wieder voll angestellt : 45 Jahre alt! Erziehung: Mutti liberaler - Vati strenger 1955/56 Hausbau – Entschluss schwierig - mutig bei niedrigem Gehalt - Der Aufschwung - das "Wirtschaftswunder"- lässt dieProbleme schnell vergessen. Vati als Lehrer: Wir haben ihn als gewissenhaften und gerechten Lehrer in Erinnerung. Dozent : mit 45 Jahren Anschluß zu finden - kaum Bücher Lehrbücher viel Eigenlektüre - Manuskripte für Vortrag / keine Arbeitsblätter Medien wie heute. 1959 Oberstudienrat- er war stolz darauf es ohne "Beziehungen" ( Parteien, Kirche ) geschafft zu haben. 1969 Pension aber wegen Lehrermangel noch einige Stunden ( erst 12 dann 6 Stunden ) bis 1974 gegeben. Langsamer Übergang tat ihm gut. In der Mittelstufe sehr glücklich gewesen - ohne Druck - vorher nur Oberstufe- viel Vorbereitung



Die 8 Enkelkinder und die drei Urenkel: Annette und Ulrike 1963 Rüdiger 1966 Markus 1966 Peter 1969 Mattias 1972 Uwe 1986 Gisela 1988 Frieder 1997 Urenkel Drillinge Jan Daniel,Mark Alexandre, Anna Lilia 1993 Sebatian 2003 David 1998 Leon 2000



Das Alter: Freundeskreis Langensiepen, Tonscheidt - Clique überraschende Wende: Gesellige Seite gegenüber der Zurückgezogenheit vorher eine Überraschung. Aktiver Ruhestand: Veröffentlichungen: Chronik der Schule in Richrath herausgegeben Vorträge u.a. über die Hanse und die Geologie Velberts im Geschichtsverein Forschungen :Die Frau im Mittelalter - in der Fernleihe ist er bekannt -Ahnenforschung mit Reisen in Archive - Studium von Kirchenbüchern - Plan Salt Lake City ( Mormonen ) Reisen : Pfingsten mit Wolfgang: Irland, Kreta Mit Mutti Kuren und Reisen Ostsee/ Norwegen, Estland bis Bad Driburg im letzten Sommer 1992 noch ! trotz großer Hitze Busreise - Besuch von Dieter und Inge. Reise mit Dieter und Inge nach Polen auf Willibald Stolpes Spuren, Neugrund, Bromberg, Nakel ( Drägers ): Sehr viel erhalten ! Reisen mit Geschichtsverein Vati hält Einführungen



Sein Ende

Er pflanzt am 26. März 1993 in Hochdorf eine Rose ! Prostatakrebs 1990 - Operation

in Düsseldorf Golzheim. Erneuter Schub im März 1993 Krankenhaus Klinikum Niederberg von Ostern bis zum 2. Juni 1993. Es kommt wohl Darmkrebs dazu. Operation: nur noch künstlicher Darmausgang und Katheder für Blase - keine Heilungsaussichten Dr. Drüner riskiert zum ersten Mal eine Endoskopie am Darm - mit Erfolg. Große Entlastung ermöglicht eineinhalb Monate relativ beschwerdefreies Leben. Dann das Endstadium. Große Hilfe durch Schmerzstillung Dr. zur Nieden und Dr. Langenberg. Das Morphium stillt den Schmerz, aber verkürzt auch das Leben... Verhältnis zum Sterben: Ambivalent: Ahnte - wollte uns/sich schonen - wollte selbst nicht einwilligen. So haben wir schrittweise - oft indirekt Abschied genommen - was oft sehr anstrengend war. Seine letzten Wochen konnte er im Kreise der Familie verbringen. Pflege durch die Söhne und vor allem die drei Schwiegertöchter Gudrun, Inge und Brigitte. Er stirbt am 18. Juli 1993 um 0.50, indem er langsam zu atmen aufhört - friedlich einschlafend





Fazit : Eine erste Phase: Aufstieg mit viel Anstrengung und Anpassung .Kurze erste Ehephase: Genießen der Kinder Krieg und Gefangenschaft: Angst, Hunger, Verzweiflung 2. Ehephase und Beruf: Erneuter Aufbau, Freude an Wolfgang. Beruf : anstrengend und erfolgreich . Altersphase: Aufblühen - Kontaktfreude, Forschen, Vorträge,Reisen, Freude an den Enkeln. Das Ende : Ein stiller Kampf gegen das Sterben.

Wie in jedem Leben : Gemischt Gutes und Schreckliches, ja Böses – durch andere, durch uns selbst Psalmwort: Haben wir Gutes empfangen - sollten wir das Böse nicht auch annehmen ? Das steht uns bevor : uns mit allem auszusöhnen was vielleicht nicht so gut war, uns in der Trauer gegenseitig und uns selbst zu trösten mit dem vielen Guten, das wir mit ihm und durch ihn erleben durften. Und wenn man das Glück hat dazu noch 89 Jahre alt zu werden - wie sollten wir nicht dankbar sein - bei aller Trauer?

Dietrich Horstmann am 22. Juli 1993

Nachwort

Gerhard über seinen Vater 3/2004

1. Er hatte keinen Führerschein, weil er beim Militär durchgefallen war in der Prüfung für Lastwagenschein. 2. Er war misstrauisch 3. Was reden die Leute über uns- war ihm wichtig. Erzähle ja den anderen draußen nichts über uns. 4. Er schämte sich über Schwäger Franz und Max. 5. Im Unterschied zu seiner Frau hatte er keinerlei Dünkel.( Akademiker )