Erika und Kurt Bauer

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Traueransprache Beerdigung Erika Bauer

Traueransprache Beerdigung Erika Bauer

Traueransprache für Frau Erika Bauer

Liebe Familie Bauer, liebe Familie Horstmann und liebe Familie Gunzert!
Für diese Stunde des Abschieds haben Sie den Konfirmationsspruch Ihrer Mutter und Oma ausgewählt. Es ist ein Wort aus dem Brief an die Epheser. Dort heißt es: Wandelt wie die Kinder der Lichts. (Epheser 5,9) Dieser Ort, an dem wir heute Morgen zusammengekommen sind, war für Ihre Mutter ein Raum des Lichts. Sonnenstrahlen durchdringen ihn an schönen Tagen und selbst in trüben Zeiten des Jahres wird dieser Raum durch seine helle Farbgebung bestimmt. Ich kann mich kaum an einen Gottesdienst erinnern, an dem Ihre Mutter, Ihre Oma nicht teilgenommen hat. Wir Pastorinnen, die wir hier in diesem Haus unseren Dienst tun, wir haben sie als eine sehr aufmerksame Zuhörerin erlebt. Gesprochene Worte und gesungene Verse bedeuteten ihr viel. Und so hatte nicht nur ich den Eindruck, dass sie jedes Wort ganz bewusst in sich aufnehmen wollte. Sie verfügte über einen großen Schatz auswendig gelernter Kirchenchoräle seit ihrer Konfirmandenzeit in Holzwickede. Von ihrem Gemeindepfarrer erzählte sie häufig: Streng ging es bei ihm zu. Aber diese damals übliche Art der Vermittlung ließ sie bis *ins hohe Alter auf vertraute Verse und Melodien zurückgreifen, die sie gerne gesungen hat. "Wandelt wie die Kinder des Lichts": Wenn uns das Vertrauen in Gott eine innere Sicherheit und Balance zu schenken vermag, die wir als Zufriedenheit bezeichnen, dann ist schon sehr viel gewonnen für das Glück unseres Lebens. Wenn aus dem Glauben heraus eine Befindlichkeit entsteht, die uns spüren lässt: ich werde getragen, ich werde gehalten und aufgefangen in meinem Leben, gleich, was geschehen wird - dann kann ich mit großer Zuversicht mein Leben gestalten. Ich denke, Ihre Mutter, Ihre Oma besaß eine starke emotionale Bindung in Hinblick auf die religiösen Fragen des Lebens, in bezug auf die Frage nach unserem Woher und Wohin nach dem Wie eines sinnvollen Weges. Konkrete Gestalt hat diese Bindung 'in den familiären Beziehungen gefunden, die sie tatsächlich getragen haben, bis zuletzt. Sie als Ihre Familie bedeuteten ihr alles. Gedanklich war sie Ihnen immer nahe. Räumliche Entfernungen spielten weniger eine Rolle als viehnehr die Gewissheit, den Kindern und Enkeln, den Urenkeln tief verbunden zu sein. Im Stammbaum einer großen Familie die Ahnin zu sein, dieses Bewusstsein machte sie glücklich. Nach dem Tod Ihres Mannes, der eine starke Persönlichkeit war, brauchte es viel Zeit, bis sich das Licht in ihrem Leben wieder ausbreiten konnte. Die Angst manchen Erwartungen nicht mehr entsprechen zu können, nicht mehr alles so zu schaffen, wie es einmal möglich gewesen war, diese Sorge belastete sie. Ihre innere Ruhe und Kraft schöpfte sie in diesen Jahren auch aus ihrer engen Verbindung mit der Natur. Wie gerne saß sie in ihrem Garten die Gedichte der Romantiker, die in der Natur zu den Wurzeln des Lebens zulangen meinten. Es war dann erstaunlich, wie schnell sie sich im Haus des Roten Kreuzes eingelebt und neue Kontakte geknüpft hat. Ich denke, sie konnte sich hier frei fühlen, unbeschwert von der Furcht, irgendeiner Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein. So unbegründet diese Furcht vielleicht aus unserer Sicht erscheinen mag, hier im Haus fand sie ihre innere und äußere Geborgenheit wieder. Dieses Gefühl war so stark, dass sie die neue Umgebung sogar als ihr Zuhause bezeichnete. Sie haben mir gesagt, wie dankbar sie für diese Entwicklung waren, wie dankbar gerade auch gegenüber der Leitung und den Mitarbeitern im Haus, die diesen Weg geebnet haben. Sie war sehr gerne hier, hatte dann eben zwei Zuhause: ihr früheres, in das sie zurückkehren konnte und ihr neues, das ihr Unbeschwertheit schenkte. - Wie gerne hat sie gelacht: ihre Späße bezogen auch die ernsten Themen des Lebens mit ein. Darin steckt der Versuch, den Dingen ihre Schwere zu nehmen: den Schatten, die Dunkelheit zwar wahrzunehmen und auch auszuhalten, aber ihnen nicht zu erlauben, dass sie Macht über uns gewinnen. "Wandelt wie die Kinder des Lichts". Selbst der Abschied von Ihrer Mutter, Ihrer Oma hatte etwas sehr Tröstliches. Sie konnte im Beisein ihrer beiden ältesten Töchter loslassen. Die Vertrautheit und Verlässlichkeit, die sie ihr schenkten, hat sie annehmen können. Ohne einen langen Weg des Leidens bewältigen zu müssen, konnte sie den Abschied geschehen lassen. Das deutet darauf hin, wie groß das innere Vertrauen war, von dem sie getragen wurde. Dort, wo sie jetzt ist, geht es ihr gut, getragen von der Nähe und Geborgenheit Gottes. Es bleibt uns, ihr zu wünschen, dass sie diese Nähe Gottes auf ähnliche Weise erfährt wie es der Dichter Eichendorff in einem Gedicht beschrieben hat: Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.
Sie war Zuhause mitten unter uns auf dieser Erde, sie war Zuhause in sich selbst und nicht zuletzt auch an diesem Ort, wenn sie zurückgeschaute auf ihre lange Lebenszeit, wenn sie sich freute über den Weg ihrer vielen Nachkommen, wenn sie trotz der schweren Erfahrung von Trauer und Verlust, innerlich gefestigt und voller Zufriedenheit blieb. Es bleibt ihr zu wünschen, dass sie dieses Zuhausesein nun in der Nähe ihres Mannes, den sie so vermisst hat, für immer und alle Zeiten spüren wird. Gemeinsam mit ihm hat sie ein Familienleben geprägt, das auch andere in die Gemeinschaft einbezogen hat: Sie hatten ein offenes Haus, in dem die Freiheit sich zu entfalten gegeben war, aber auch die Möglichkeit Eigenverantwortung zu lernen; ein Haus, in dem Ideen und Kreativität wachsen konnten. Sie alle hat dieses Haus geprägt, 'in dem so viel Leben war. So soll es für Sie bleiben, im Gedenken an Ihre Eltern und Großeltern, in der Gewissheit, dass diese Spuren in die Zukunft weisen werden. Wandelt wie Kinder des Lichts. Armen.